Der Prospekt-Irrtum
Fragt man Betriebe, was ihre Website leisten soll, kommt meistens „da sein“ oder „professionell aussehen“. Beides ist kein Ziel, sondern eine Eigenschaft. Und beides führt zu Websites, die schön aussehen und nichts bewirken.
Dahinter steckt fast immer dieselbe Vorstellung: Die Website ist ein Prospekt, nur eben im Internet. Man zeigt, wer man ist und was man macht, und wer Interesse hat, meldet sich schon.
Nützlicher ist ein anderes Bild. Eine Website ist ein Mitarbeiter, der rund um die Uhr Fragen beantwortet. Sie führt ein Verkaufsgespräch, bei dem Sie nicht dabei sind. Alles, was Sie in diesem Gespräch tun würden — zuhören, einordnen, Bedenken ausräumen, zum Abschluss führen — muss die Seite allein leisten.
Aus dieser einen Umdeutung ergibt sich fast alles Weitere.
Drei Aufgaben, in dieser Reihenfolge
Jede Website hat genau drei Jobs, und sie bauen aufeinander auf.
Gefunden werden
Wer Sie nicht findet, kann Sie nicht beauftragen. Das klingt banal, ist aber der Punkt, an dem die meisten Websites scheitern — nicht weil sie schlecht sind, sondern weil niemand vorbeikommt.
Vertrauen aufbauen
In wenigen Sekunden entscheidet sich, ob jemand Sie für seriös und passend hält. Diese Entscheidung fällt, bevor irgendein Text gelesen wurde.
Zur Anfrage führen
Anruf, Formular, Terminbuchung. Ohne diesen Schritt war der Rest umsonst, egal wie gut die Seite gefällt.
Daraus wird ein brauchbarer Maßstab: Jede einzelne Seite sollte mindestens einer dieser drei Aufgaben dienen. Seiten, die keiner dienen, kosten nur Pflegeaufwand.
Was in den ersten Sekunden passiert
Wer über eine Suche auf Ihre Seite kommt, hat eine konkrete Frage mitgebracht und wenig Geduld. Drei Dinge müssen sofort klar sein, sonst ist er wieder weg — meist zurück zu den Suchergebnissen.
- Bin ich hier richtig? Was wird angeboten, für wen, und wo.
- Kann ich denen trauen? Echte Bilder, echte Namen, Bewertungen, ein vollständiges Impressum.
- Was mache ich jetzt? Ein sichtbarer nächster Schritt — nicht fünf gleichwertige.
Ein einfacher Test für Ihre eigene Seite: Öffnen Sie sie auf dem Handy, schauen Sie fünf Sekunden darauf und drehen Sie es weg. Was ist hängen geblieben? Bei den meisten Seiten lautet die ehrliche Antwort: der Firmenname und ein Bild. Nicht das Angebot.
Welche Seiten ein Betrieb wirklich braucht
Weniger, als die meisten denken. Fünf Seitentypen decken den Bedarf eines typischen lokalen Betriebs ab.
| Seite | Aufgabe | Was ohne sie passiert |
|---|---|---|
| Startseite | Einordnen und weiterleiten | Besucher wissen nicht, wo sie gelandet sind |
| Je Leistung eine | Gefunden werden und überzeugen | Sie ranken für nichts Konkretes |
| Über uns | Vertrauen über Menschen | Sie bleiben austauschbar |
| Kontakt | Die Anfrage einsammeln | Interessierte springen ab |
| Impressum und Datenschutz | Pflicht und Seriosität | Abmahnrisiko |
Die zweite Zeile ist die, über die am meisten diskutiert wird. Viele möchten alle Leistungen auf einer Seite unterbringen, weil es übersichtlicher wirkt. Für Google und für den Besucher ist es das Gegenteil: Eine Seite, die fünf Leistungen gleichzeitig behandelt, rankt für keine davon richtig und beantwortet keine der fünf Fragen vollständig.
Für einen typischen Betrieb landet man damit bei fünf bis acht Seiten. Eine gute kleine Website schlägt eine große mit halbfertigen Unterseiten deutlich.
Die Struktur nach Kundenlogik, nicht nach Firmenlogik
Betriebe gliedern gern nach ihrem eigenen Aufbau: Abteilungen, Gewerke, historisch gewachsene Bereiche. Kunden denken in Problemen.
Ein Handwerksbetrieb, der intern zwischen „Sanitär“ und „Heizung“ trennt, hat für seine Kunden die Kategorien „Mein Bad soll neu“ und „Meine Heizung ist kaputt“. Die Navigation folgt dem Kunden.
Zwei weitere Regeln, die sich bewährt haben:
- Flach halten. Alles Wichtige in höchstens zwei Klicks von der Startseite. Tiefe Verschachtelung entsteht aus dem Organigramm, nicht aus dem Bedarf.
- Sprechende Adressen.
/leistungen/badsanierungstatt einer Nummernkombination. Das hilft Besuchern beim Wiederfinden und Google beim Einordnen.
Was auf die Startseite gehört — und was nicht
Die Startseite hat eine einzige Aufgabe: einordnen und weiterleiten. Sie muss nicht verkaufen. Das machen die Leistungsseiten.
Ein Aufbau, der zuverlässig funktioniert:
- Eine klare Aussage ganz oben: Was, für wen, wo. Ein Satz, keine Wortspiele.
- Ein sichtbarer Handlungsaufruf direkt daneben.
- Die Leistungen als Einstiege, jeweils mit einem Satz und einem Link.
- Ein Vertrauensbeleg: Bewertungen, Referenzen, Zahlen zum Betrieb.
- Menschen und Region kurz angerissen, mit Verweis auf „Über uns“.
- Der Handlungsaufruf noch einmal, am Ende.
Und was regelmäßig Platz kostet, ohne etwas beizutragen:
- „Herzlich willkommen auf unserer Website“ — die häufigste verschenkte Überschrift im deutschen Mittelstand. Sie sagt nichts und belegt die wichtigste Zeile der Seite.
- Die vollständige Firmengeschichte. Interessant für Sie, irrelevant für jemanden, der ein Problem hat.
- Ein Bildkarussell. Kaum jemand wartet auf das zweite Bild. Der Aufwand fließt in etwas, das niemand sieht.
- Fünf gleich wichtige Knöpfe. Wer die Wahl hat, entscheidet sich oft gar nicht.
Jede Seite hat genau einen Job. Wenn Sie ihn nicht in einem Satz sagen können, braucht es die Seite nicht.
Was auf eine Leistungsseite gehört
Das ist die Seite, die Geld verdient. Sie folgt einer festen Reihenfolge, weil der Besucher seine Fragen in einer festen Reihenfolge stellt.
| Abschnitt | Inhalt |
|---|---|
| Überschrift | Leistung und Ort, in der Sprache des Kunden |
| Erste Sätze | Die Antwort auf die Suchanfrage, sofort |
| Für wen | Wer davon profitiert — und wer nicht |
| Ablauf | Was passiert, in welcher Reihenfolge, wie lange |
| Preis | Betrag oder Spanne, mit dem was enthalten ist |
| Belege | Eigene Fotos, Kundenstimmen |
| Fragen | Die realen Rückfragen aus dem Telefonalltag |
| Nächster Schritt | Anrufen, Termin, Formular |
Der Abschnitt mit den Fragen ist doppelt wertvoll: Er räumt Einwände aus, und er liefert genau die Textstellen, die Google und KI-Antworten als Zitat verwenden können.
Kontaktwege: mehr als einer
Menschen nehmen unterschiedlich Kontakt auf. Wer nur ein Formular anbietet, verliert alle, die lieber anrufen. Wer nur eine Telefonnummer angibt, verliert alle, die abends um elf schreiben wollen.
- Telefon, am Handy als anklickbare Nummer. Ein Tipp wählt. Das wird erstaunlich oft vergessen.
- Formular, kurz gehalten. Name, ein Kontaktweg, das Anliegen. Mehr braucht eine Erstanfrage fast nie.
- Termin oder Nachricht, wenn es zum Betrieb passt. Nicht alles anbieten, was technisch möglich ist.
Und auf jeder Seite sollte ein Weg zum nächsten Schritt sichtbar sein — nicht nur auf der Kontaktseite.
Häufige Fragen
Wie viele Seiten braucht meine Website?
Für einen typischen lokalen Betrieb fünf bis acht: Startseite, je eine Seite pro wichtiger Leistung, Über uns, Kontakt sowie Impressum und Datenschutz. Mehr Seiten sind möglich, aber keine davon ist wichtiger als diese Grundausstattung.
Kann ich nicht alle Leistungen auf eine Seite packen?
Technisch ja, sinnvoll nein. Jede Leistung ist eine eigene Suchanfrage. Eine Sammelseite rankt für keine davon richtig und beantwortet keine der Fragen vollständig. Für den Besucher ist sie außerdem länger, ohne mehr zu sagen.
Brauche ich eine Seite „Über uns“?
Bei lokalen Betrieben ja. Menschen beauftragen Menschen, nicht Firmen. Gesichter, Namen und ein Bezug zur Region sind einer der wirksamsten Vertrauensbelege — gerade gegenüber überregionalen Anbietern.
Was kostet eine Website mit fünf bis acht Seiten?
Das hängt vom Umfang der Inhalte und vom Funktionsbedarf ab. Wir legen den Umfang gemeinsam fest, bevor ein Angebot entsteht: Wir gehen Ihre Leistungen durch und entscheiden, welche eine eigene Seite verdienen. Daraus ergibt sich der Preis, nicht umgekehrt.
Wie lange dauert die Erstellung?
Der Engpass ist selten die Umsetzung, sondern das Material: Texte, Preise und Fotos. Wenn das zügig kommt, sind vier bis sechs Wochen realistisch. Wir führen die Texte in einem Telefonat mit Ihnen und schreiben sie anschließend — Sie müssen nichts selbst formulieren.
Kann ich später Seiten ergänzen?
Ja, und das ist der Normalfall. Eine neue Leistung bekommt eine neue Seite. Wichtig ist nur, sie nicht irgendwo einzuschieben, sondern sie richtig einzuordnen und zu verlinken.